Die Gerüchte, dass es ein LEGO Architecture Set „Sagrada Familia“ geben soll, schwirrten schon eine Weile durchs Netz. Die habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen, aber darüber nicht gerade in Ekstase geraten.
Natürlich war mir die Kirche ein Begriff. Ich wusste, dass sie in Barcelona steht und bis heute nicht fertiggestellt ist. Viel mehr allerdings auch nicht. Weder wusste ich etwas über den Architekten noch darüber, wann mit dem Bau begonnen wurde. Architektur und Kirchen gehören nicht zu meinen Hobbys. Die Leistung der alten Baumeister und Handwerker weiß ich zu schätzen und sie versetzt mich immer wieder in Erstaunen. Auch mag ich die Atmosphäre in Kirchen. Aber völlig unabhängig von Religion oder Glaube.
Jetzt ist das Set also offiziell vorgestellt worden und ich muss sagen, dass es mir gut gefällt. Zumindest von den Fotos her und dem, was man darauf erkennen kann. Der modulare Aufbau ist meiner Meinung nach hier ebenso gut gewählt wie bei Notre Dame. Die Details sehen fantastisch aus. Werde ich mir das Set kaufen? Wohl eher nicht. Oder zumindest nicht neu. Da ich es wirklich, wirklich gerne bauen möchte, werde ich es vielleicht so machen wie beim Eiffelturm: gebraucht kaufen, bauen und anschließend wieder verkaufen. Die Gründe sind einfach: Ganz klar das Geld. Es ist für mich absolut nicht möglich, so viel Geld in einem Spielzeug zu binden beziehungsweise ich sehe es nicht ein. Weil es genug andere Dinge gibt, die ich mit diesem Betrag lieber machen würde. Und dann ist da noch das bekannte Platzproblem. Wenn ich so viel Geld ausgeben würde, dann nur, wenn das Modell einen festen Platz bekommt. Den habe ich nicht. Oder andere mir lieb gewordene Sets müssten weichen. Dazu bin ich nicht bereit.
Persönlich beobachte ich die Entwicklung bei LEGO gespannt. Es werden immer mehr Sets in dieser Größen- und Preisordnung. Das hat für mich wenig mit dem LEGO zu tun, das ich aus meiner Kindheit in Erinnerung habe. Denn ein Set in dieser Preisklasse würde ich niemals zerlegen und die Steine anschließend in meine Sammlung sortieren. Für mich verschiebt sich LEGO hier ein Stück weit in Richtung Modellbau. Stört mich das? Nicht wirklich. Denn keiner zwingt mich, die Sets zu kaufen. Außerdem ist für mich bei diesen Sets die Zielgruppe auch eine andere. LEGO ist ein Unternehmen, das Gewinne erzielen möchte. Und dafür versucht es, andere Menschen zu erreichen. Das ist legitim. Offensichtlich scheint es zu funktionieren, sonst würden nicht immer mehr solcher großen und teuren Sets erscheinen. Außerdem gibt es noch genug andere Sets, die meiner Idee von LEGO immer noch treu sind. Creator 3-in-1 zum Beispiel.
Außerdem erachte ich es als müßig, über ein „braucht es das?“ zu diskutieren. Kein Mensch braucht LEGO. Es ist ein Hobby und wir können sehr gut ohne es leben. Schließlich habe ich lange genug ohne LEGO gelebt. Hat mir etwas gefehlt? Nein. Habe ich jetzt Spaß? Ja – jede Menge. Hätte ich ohne LEGO Spaß? Mit Sicherheit. Werde ich es bereuen, wenn ich mir das Set nicht kaufe? Nein. Vielleicht werde ich etwas traurig sein, dass ich es nicht gebaut habe. Aber es gibt so viele Dinge in meinem Leben, die ich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gemacht habe. Das wäre dann nur ein weiterer Eintrag auf dieser Liste. Kein Grund für schlaflose Nächte. Oder empörte Kommentare.
Titelbild: Adobe Stock
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