Der LEGO Ideas 21353 Botanische Garten ist ein Set, um das ich lange herumgeschlichen bin – wie die Katze um das Mauseloch. Oder die Maus um den Käse. Es hat ewig gedauert, bis ich mich durchringen konnte, es zu kaufen. Nicht weil es mir nicht gefallen hätte. Im Gegenteil. Von Anfang an fand ich es einfach nur schön. Was nicht verwundert, denn schon der Botanische Garten aus der Friends-Reihe hat mir gut gefallen (mein damaliges Review dazu findet ihr bei zusammengebaut.com).
Der Grund für mein Zögern war schlicht und einfach der Preis. Bis 200 Euro bin ich mit mir selbst recht großzügig bei Sets. Alles, was darüber hinausgeht, braucht einen guten Grund – oder es muss mir wirklich, wirklich gefallen. Wie zum Beispiel Ninjago City. Beim Botanischen Garten war allerdings eine Preisklasse erreicht, bei der es mir sehr schwerfällt, das vor mir selbst zu rechtfertigen.
Mein Kompromiss war schließlich der Kauf mit einem 25-Prozent-Gutschein im Legoland. So konnte ich es halbwegs vertreten. Aber es tat trotzdem noch weh.
Tja. Und dann stand dieses wunderschöne Set hier – und ich hatte keine Zeit zum Bauen. Oder vielleicht schon Zeit, aber nicht genug Muse. Denn dieses Set möchte ich nicht nebenbei bauen. Hier will ich mir Zeit lassen, Details entdecken und den Bau wirklich genießen.
Jetzt ist es endlich so weit. Und ich freue mich sehr.
Konzept des LEGO Botanischen Gartens
Der Botanische Garten ist ein klassisches Ideas-Set im besten Sinne: Ein Modell, das weniger über Spielfunktionen kommt, sondern über Atmosphäre, Architektur und Details.
Das viktorianisch anmutende Gewächshaus mit seinen drei Atrien wirkt offen, lichtdurchflutet und gleichzeitig voller kleiner Geschichten. Besucher, Pflanzen und Architektur greifen ineinander. Unterstützt wird das Ganze durch eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Figuren – zahlreiche Besucher und Mitarbeitende bevölkern den Garten.
Es geht hier nicht darum, etwas zu „tun“, sondern darum, einen Ort zu erleben.
Der Aufbau
Die ersten Bauabschnitte sind völlig unspektakulär. Bis auf kleine schöne Details, die ich aber nicht spoilern möchte, passiert bei den „Grundmauern“ nicht viel.
Etwas Geduld braucht man für die Fliesen im Inneren des Gebäudes. Die ziehen sich über mehrere Bauschritte und man sollte schon genau hinschauen, damit alles an der richtigen Stelle platziert wird. Sich von einem spannenden Hörbuch oder Podcast ablenken zu lassen, ist also nicht die beste Idee – es sei denn, man mag das kleine Nebenprojekt „Fehlersuche im Fliesenmuster“.
Richtig interessant wird es, sobald die Innenstruktur entsteht. Die Treppe zur Empore ist eines der ersten Highlights im Bauprozess – und für mich eines der stärksten Elemente des Sets. Sie wirkt elegant, ist bautechnisch schön umgesetzt und erfüllt gleichzeitig eine wichtige Funktion im Modell.
Danach folgt die erste Wand mit den schönen Fenstern und der Empore. Von der Empore aus eröffnet sich ein neuer Blickwinkel: Man schaut nicht nur in den Raum, sondern auf die Pflanzen hinab – und teilweise später dann sogar direkt in die Baumkronen hinein (die Bäume sind an dieser Stelle noch nicht gebaut). Diese Perspektive gibt dem Set eine unerwartete Tiefe und macht den Innenraum viel lebendiger.
Im nächsten Schritt entsteht der erste Nebenraum: Das Café. Besonders schön ist die kleine Terasse des Cafés – ein Detail, das dem Set nochmal eine ganz eigene Atmosphäre gibt. Es erweitert den Botanischen Garten um eine soziale Komponente: nicht nur anschauen, sondern auch verweilen.
Auch der zweite Nebenraum ist schön gestaltet mit Kakteen.
Mit den nächsten Wänden wird auch der Kassenbereich am Eingang gebaut. Auch hier zeigt sich, wie gut das Set durchdacht ist: Der Eingangsbereich wirkt sofort logisch und einladend, und die kleinen Kopfhörer für die Führung sind ein charmantes Detail, das die Szene abrundet.
Bevor das Dach gebaut wird, werden außen ein paar Details ergänzt. Dann endlich das grandiose Dach – und das ist wirklich ein Highlight im Bauprozess. Die Konstruktion ist spannend, das Ergebnis beeindruckend. Mit jedem Element wird klarer, wie viel Charakter dieses Bauteil dem gesamten Modell verleiht.
Ganz am Ende kommt dann noch der Außenbereich – und der fühlt sich fast wie ein kleines Bonus-Level an. Nach all der Architektur wird es plötzlich grün, verspielt und deutlich kleinteiliger. Hier entstehen Wege, Pflanzen und Szenen, die das Modell erst richtig einbetten.
Mit jedem Bauabschnitt wächst das Modell sichtbar – und mit ihm die Freude daran.
Details und Highlights im Botanischen Garten
Dieses Set lebt von seinen Details – und davon, dass man sie nicht alle auf einmal entdeckt.
Die Kopfhörer an der Kasse sind so ein Beispiel: klein, fast unscheinbar, aber sie erzählen sofort eine Geschichte. Genauso wie das Vogelnest unter dem Dach, das man leicht übersehen kann, wenn man nicht genau hinschaut.
Herrlich ist auch die Rückseite: Ein Eichhörnchen hat es sich auf einer Mülltonne bequem gemacht, während daneben Wasser aus einem Schlauch fließt. So eine Szene ist eigentlich völlig nebensächlich – und genau deshalb so gut. Sie wirkt zufällig, lebendig und ein bisschen verspielt.
Die Minifiguren lassen sich wunderbar platzieren und erwecken das Set zum Leben.
Der Außenbereich setzt nochmal einen eigenen Akzent. Ein Baum in Herbstfärbung bringt einen schönen Farbtupfer ins Gesamtbild und sorgt für Abwechslung zwischen all dem satten Grün. Dazu kommt ein kleiner Brunnen, auf dem ein Vögelchen sitzt – wieder so ein Detail, das man erst beim zweiten Blick wirklich wahrnimmt.
Und dann sind da die Blumen. Sehr viele Blumen. Sie sehen großartig aus und machen das Modell erst richtig lebendig – aber der Weg dorthin ist… sagen wir: meditativ. Der Bau ist teilweise etwas fummelig und auch repetitiv. Das muss man mögen oder zumindest akzeptieren.
Besonders gelungen sind auch die beiden Bäume, die separat gebaut und eingesetzt werden. Das sorgt nicht nur für Abwechslung beim Bau, sondern macht das Modell auch flexibler.
Ein echtes Highlight sind zudem die abnehmbaren Seitenwände. Sie machen den liebevoll gestalteten Innenraum überhaupt erst richtig zugänglich.
Und über allem schwebt das Dach: transparent, detailreich und einfach beeindruckend.
Bautechnik
Bautechnisch bietet der Botanische Garten keine wilden Experimente. Aber die Techniken sind faszinierend und inspirierend und genau darin liegt seine Stärke.
Die Treppe mit der Empore ist ein wunderbares Beispiel: stabil, elegant und perfekt integriert. Auch die Dachkonstruktion zeigt, wie mit bekannten und neuen Elementen eine starke Wirkung erzielt werden kann.
Der Baufluss ist insgesamt angenehm ruhig – fast meditativ. Keine frustrierenden Abschnitte (bis auf die meditativen Blumen), sondern ein kontinuierliches „Wachsen“ des Modells.
MOC-Perspektive
Für MOC-Bauer bietet das Set einige spannende Ansätze – allen voran die Treppengeländer der kleinen Treppen. Die Gestaltung ist filigran und vielseitig einsetzbar. Genau solche Elemente sind es, die man im Hinterkopf behält und später in eigenen Projekten wieder aufgreift.
Auch die Bauweise mit modularen Wänden und zugänglichem Innenraum liefert viele Ideen für eigene Gebäude.
Fototipp
Der Botanische Garten ist ein dankbares Motiv – wenn man ihn lässt.
Durch die abnehmbaren Seitenwände und die herausnehmbaren Bäume kommt man wunderbar an interessante Blickwinkel. Besonders schön sind Aufnahmen von der Empore aus oder leicht von oben, bei denen man in die Pflanzenlandschaft hineinblickt.
Natürliches Licht funktioniert hier hervorragend.
Ich habe meine Fotos draußen im Garten gemacht, mit echtem Gras im Vordergrund – und genau dort fühlt sich das Set auch am stimmigsten an. Die Grenze zwischen Modell und Natur verschwimmt dabei ein Stück weit, und plötzlich wirkt der Botanische Garten nicht mehr wie ein LEGO-Set, sondern wie ein kleines echtes Gebäude mitten im Grünen.
Eine stimmige Ergänzung
Ein Freund hat mir netterweise das passende GWP geschenkt. Zum Zeitpunkt, als es das gab, hatte ich nichts, was ich unbedingt kaufen wollte. Und da ich auch erstmal auf den Botanischen Garten verzichtet hatte, war es mir nicht so wichtig. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass es auf diese schöne Art bei mir gelandet ist. Danke J.!
Es dürfte den meisten bekannt sein, dass das kleine Set vom Stil perfekt passt und den Eingangsbereich schön erweitert. Es wirkt wie eine natürliche Verlängerung des Botanischen Gartens – fast so, als hätte es von Anfang an dazugehört.
Ein kleines Manko gibt es allerdings: die Plattenhöhe. Der Botanische Garten ist auf den dünnen Grundplatten gebaut, das Eingangstor dagegen auf einer normalen Platte. Dadurch lassen sich beide nicht einfach nahtlos verbinden.
Im Alltag fällt das aber kaum ins Gewicht. Wer das Set im Regal stehen hat, wird diesen Unterschied vermutlich gar nicht wahrnehmen – und bekommt dafür eine sehr stimmige Ergänzung, die den Gesamteindruck nochmal aufwertet.
Mein Eindruck
Dieses Set hat mich überrascht – nicht, weil ich es unterschätzt hätte, sondern weil es genau das geliefert hat, was ich mir erhofft habe.
Der hohe Preis bleibt ein Thema. Aber: Der Botanische Garten fühlt sich nicht wie ein Set an, das man einfach nur baut und hinstellt.
Die Minifiguren tragen ihren Teil dazu bei. Mit Mitarbeitenden wie einem Gärtner mit Laubbläser und verschiedenen Besuchern entsteht Leben im Modell. Szenen wie ein Junge, der verbotenerweise eine Blume pflückt, oder ein Fotograf auf Motivsuche laden dazu ein, kleine Geschichten zu erzählen.
Die Kombination aus Architektur, Details und durchdachter Zugänglichkeit macht ihn zu einem Modell, das langfristig Freude bereitet – auch wenn der Weg dorthin über viele kleine, durchaus repetitiv gebaute Blumen führt.
Kein lautes Set, kein spektakuläres Action-Modell – sondern eines, das leise überzeugt.
Und manchmal sind genau das die besten.
Wer es etwas kleiner und schneller gebaut mag, findet im Tulpenstrauß eine schöne Alternative.
Wer Gefallen an vielen Details hat: Die LEGO Ninjago City Werkstätten sind ebenfalls einen Blick wert.






















Kommentare
Danke für die schöne Vorstellung!
Gerne - hat besonders hier mal wieder viel Spaß gemacht!